Natalia Bachour

Natalia Bachour, Dr.

wissenschaftliche Mitarbeiterin

Tel.: +41 44 634 07 36

Raumbezeichnung: RAA H-16

natalia.bachour@aoi.uzh.ch


Biografie

1994-1999 Pharmaziestudium an der Universität Damaskus (Bachelor in Pharmaceutics and Pharmaceutical Chemistry)

2000-2003 Studium der Pharmazie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (Diplom-Pharmazeutin)

2005 Drittes Staatsexamen, Approbation als Apothekerin

2005-2006 Aufbaustudium der Pharmaziegeschichte an der Universität Heidelberg

2004-2011 Studium der Translationswissenschaft und Interkulturellen Kommunikation an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (Diplom-Übersetzerin)

2006-2011 Promotion in Geschichte der Pharmazie an der Universität Heidelberg; Titel der Dissertation: Oswaldus Crollius und Daniel Sennert im frühneuzeitlichen Istanbul: Studien zur Rezeption des Paracelsismus im Werk des osmanischen Arztes Ṣāliḥ b. Naṣrullāh Ibn Sallūm al-Ḥalabī; ausgezeichnet mit dem "Prix Carmen Francés" der internationalen Gesellschaft für Geschichte der Pharmazie.

2010-2013 Dozentin im Weiterbildungsprogramm «Media Arabic Webclass» der Universität Zürich

2011-2012 Certificate of Advanced Studies «Sprachdidaktik Arabisch» an der Universität Zürich

2011- Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Asien-Orient-Institut der Universität Zürich (Lektorat Arabisch)

Forschungsinteressen

Medizin- und Wissenschaftsgeschichte in der Frühen Neuzeit, Wissenstransfer, Translationswissenschaft, Didaktik des Arabischen als Fremdsprache

Habilitationsprojekt

Der menschliche Körper als Arznei in kultur- und medizinhistorischer Perspektive

Zahlreiche Bestandteile und Exsudate des menschlichen Körpers werden seit dem Altertum therapeutisch eingesetzt, zum Beispiel Blut, Fett, Milch, Haare, Knochen, Urin oder Mumia. Viele dieser Arzneien sind mit spezifischen medizinischen, magischen, ethischen und religiösen Vorstellungen verbunden, was die Untersuchung ihrer Verwendung aus medizinhistorischer und interkulturell historisch-anthropologischer Perspektive aufschlussreich macht. Das Projekt geht anhand der Untersuchung arabischen Quellentexten aus klassischer und nachklassischer Zeit auf den Gebieten Medizin, Literatur, Lexikologie, islamische Jurisprudenz und Ethik folgenden Fragen nach: Welche medizinischen Konzepte liegen der Verwendung der menschlichen Bestandteile zugrunde? Welche Vorstellungen sind damit verbunden? Gibt es kulturspezifische Vorstellungen, die die Anwendung menschlicher Körperteile beeinflussen würden, z. B. verbieten, einschränken oder fördern? Sind bei transkulturellen Übersetzungen Änderungen bezüglich der Applikationsmodalitäten dieser menschlichen Bestandteile festzustellen? Um die Spezifizität und Wandelbarkeit von Körpervorstellungen zu untersuchen, konzentriert sich das Projekt auf Phasen des Wissenstransfers von Arzneien im Mittelalter und in der Neuzeit in Originaltexten und Übersetzungen aus dem Arabischen ins Lateinische und aus europäischen Sprachen ins Arabische.

Projekte zur Didaktik des Arabischen

Wortschatzerwerb im Fremdsprachenunterricht Arabisch

Der Wortschatzerwerb stellt im Fremdsprachenunterricht Arabisch sowohl für Studierende als auch für Lehrende eine große Herausforderung dar. Dabei spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Zum einen gehört das Arabische zur afroasiatischen Sprachfamilie, die wenig strukturelle Gemeinsamkeiten mit indogermanischen Sprachen innehat. Zum anderen ist der Kontakt mit dem Arabischen im deutschsprachigen Raum gering, da es sich nicht um ein Schulfach handelt. Außerdem liegen didaktisch gut ausgearbeitete Materialien für den Wortschatzerwerb im deutschsprachigen Raum im Vergleich zu anderen europäischen Sprachen nur in geringem Umfang vor.

Im Rahmen dieses Projekts wurden Ansätze des Wortschatzerwerbs auf ihre Eignung für das Erlernen des Arabischen hin untersucht, um didaktische Hilfsmittel für den Fremdsprachenunterricht Arabisch zu entwickeln. Unter Berücksichtigung mehrerer Konzepte der Fremdsprachendidaktik, vor allem von Engagement, Mental Lexicon, Spacing Effect und Dual Coding, wurden die Online-Datenbank Kalimāt sowie Dateien für das Vokabeltrainerprogramm Mnemosyne entwickelt.

Finanzielle Unterstützung: Fachstelle für Digitale Lehre und Forschung der UZH

Veröffentlichungen:

Natalia Bachour unter Mitarbeit von Fabian Frei, Henning Sievert u.a. Kalimāt: Arabisch für Islamwissenschaft und Arabistik (http://www.aoi.uzh.ch/static/kalimat/grundwortschatz/de/kalimaat.php?anz=1), 2015 ff.

Natalia Bachour und Fabian Frei. „Manhaǧiyyat taʿlīm wa-taʿallum al-mufradāt li-dārisī l-luġa l-ʿarabiyya n-nāṭiqīna bi-ġayrihā: barāmiǧ wa tamārīn iliktrūniyya li-taʿzīz al-kafāʾāt al-luġawiyya” (Vobabellernen und -lehren im Unterricht des Arabischen als Fremdsprache: Programme und elektronische Übungen zur Unterstützung des Spracherwerbs). In: Fifth International Congress of Arabic Language. Beirut (2016). (http://www.alarabiahconference.org/modules/conference_seminar/index.php?conference_seminar_id=446, 31. 01. 2016)

 

Didaktik der arabischen Morphologie

Die Beherrschung der arabischen Morphologie ist die wichtigste Fertigkeit und schwierigste Herausforderung im Arabischunterricht. Sie ist nicht nur eine Voraussetzung, um unvokalisierte arabische Texte lesen zu können, sondern unterstützt auch wesentlich das Textverständnis, den Wortschatzerwerb und das Hörverständnis. Dieses Projekt hat zum Ziel, E-Learning-Übungen zur aktiven Formbildung und Formbestimmung zu entwickeln, die flexibel nach Schwachpunkten und Übungsbedarf gewählt werden können. Außerdem wurden Verbtabellen aller arabischen Verbkategorien erstellt, die in arabischer Schrift mit oder ohne Vokalisierung, in Transkription nach DMG-Richtlinie sowie mit Audiowiedergabe aufrufbar sind. Dadurch werden die verschiedenen Lerntypen angesprochen und mehrere Lerneffekte parallel erzielt.

Finanzielle Unterstützung: Fachstelle für Digitale Lehre und Forschung der UZH

Veröffentlichung:

Natalia Bachour und Fabian Frei. Flexionstabellen fürs Hocharabische (http://www.aoi.uzh.ch/static/kalimat/verbtabellen/de/kalimaat.php?anz=1), 2017.

Natalia Bachour und Fabian Frei. Morphologie-Übungen fürs E-Learning (Arabische Morphologie), 2016.

Natalia Bachour und Fabian Frei. "At-taṣrīf wa-l-ištiqāq li-dārisī l-luġa l-ʿarabiyya n-nāṭīqīna bi-ġayrihā: barāmiǧ wa tamārīn iliktrūniyya li-taʿzīz al-kafāʾāt al-luġawiyya (Konjugation und Derivation für Arabisch als Fremdsprache: Programme und elektronische Übungen zur Unterstützung des Spracherwerbs)." In: Proceedings of the fifth International Congress of Arabic Language, ed. Al-Maǧlis al-ʿarabī li-l-luġa l-ʿarabiyya. Beirut: 2016. 160-171. (http://www.alarabiahconference.org/modules/speaker/index.php?conference_speaker_id=2718, 31. 01. 2016)

 

Untertitelung im Fremdsprachenunterricht Arabisch

Das Ziel dieses Projekts ist einerseits die Erstellung von Multimedia-Materialien mit zweisprachiger Untertitelung. Andererseits wird erforscht, wie diese Materialien im Fremdsprachenunterricht bei unterschiedlichen Niveaus und Lerntypen am wirkungsvollsten einzusetzen sind.

Finanzielle Unterstützung: Fachstelle für Digitale Lehre und Forschung der UZH

Veröffentlichung: die Materialien sind voraussichtlich ab Ende September 2017 auf Switchtube abrufbar.

 

Diglossie als Herausforderung im Fremdsprachenunterricht Arabisch: Libanesisch-Arabisch und Standard-Arabisch

Das in der Schweiz bekannte Phänomen der Diglossie beschreibt die Zweisprachigkeit einer ganzen Gesellschaft, bei der es eine klare funktionale Differenzierung zwischen zwei verwandten Sprachvarietäten gibt. Während in der Deutschschweiz die beiden Sprachvarietäten getrennt je nach Situation Verwendung finden, stellen das Hocharabische und das Libanesisch-Arabische eher ein Dialekt-Standard-Kontinuum dar, das sich auch in literarischen Werken, in Beruf, Studium und wissenschaftlichen Diskussionen manifestiert. Dieser Situation wird in universitären Arabisch-Curricula im deutschsprachigen Raum wenig Rechnung getragen, vor allem hinsichtlich der didaktischen Methodik und der Entwicklung geeigneter Hilfsmittel. Da die Sprachausbildung von Islamwissenschaftlern und Arabisten in der Regel auf das Standard-Hocharabische beschränkt ist, können die Absolventen zwar moderne arabische Texte lesen – soweit sie keine dialektalen Elemente enthalten – jedoch sind sie kaum in der Lage, an wissenschaftlichen Veranstaltungen an einer arabischen Universität teilzunehmen, sich an wissenschaftlichen und intellektuell anspruchsvollen Diskussionen zu beteiligen, geschweige denn Alltagssituation zu meistern.

In diesem Projekt wird unter Beteiligung von Studierenden eine Online-Datenbank des Libanesisch-Arabischen erstellt und mit der hocharabischen Sprachvarietät verknüpft.

Finanzielle Unterstützung: Fachstelle für Digitale Lehre und Forschung der UZH

Veröffentlichung:

Natalia Bachour unter Mitarbeit von Fabian Frei, Henning Sievert u. a. Dandanāt: Libanesisches Vokabular (http://www.aoi.uzh.ch/static/dandanat/libanesisch/de/dandanaat.php), 2017.

Abgeschlossenes Dissertationsprojekt

Oswaldus Crollius und Daniel Sennert im frühneuzeitlichen Istanbul: Studien zur Rezeption des Paracelsismus im Werk des osmanischen Arztes Ṣāliḥ b. Naṣrullāh Ibn Sallūm al-Ḥalabī“

Die Arbeit untersucht die Rezeption des Paracelsismus im Osmanischen Reich des 17. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Studie steht die Erforschung der arabischen Übersetzungen von Oswaldus Crollius‘ Basilica Chymica und Daniel Sennerts De Chymicorum cum Aristotelicis et Galenicis consensu ac dissensu (al-Kīmiyā’ al-malakiyya und aṭ-Ṭibb al-kīmiyāʼi al-ǧadīd). Sie werden dem Obermedicus Ibn Sallum al-Halabi zugeschrieben, der als Erneuerer der Medizin im Osmanischen Reich gilt und durch sein Werk den Orient mit neuen Krankheiten, mit dem Paracelsismus und der Nova medicina bekanntgemacht haben soll. Diese Arbeit weist jedoch nach, dass Ibn Sallum nicht als Übersetzer der genannten Schriften gelten und eine Paracelsusrezeption nicht auf ihn zurückgeführt werden kann. Vielmehr ergibt die Erforschung seiner Werke und der Quellen in ihrem Umfeld, dass Ibn Sallum ein pragmatischer Eklektiker war und der Qualitäten- und Gradelehre treu blieb. Allerdings läßt die Erforschung der Ibn Sallum zugeschriebenen Schriften eine breitere Übersetzungsaktivität erkennen, die das rege Interesse der osmanischen Gelehrten am medizinischen und pharmazeutischen Schrifttum der westeuropäischen Länder in der Mitte des 17. Jahrhunderts widerspiegelt. Die Studie arbeitet die textlichen und kulturellen Bedingungen und Merkmale dieses Rezeptionsprozesses medizinischer und pharmazeutischer Schriften heraus.

Lehrveranstaltungen

Wiederkehrende Veranstaltungen:

Sprachkurs Arabisch I, Sprachkurs Arabisch II,  Sprachkurs Arabisch III

Arabische Konversation für Fortgeschrittene I und II (Medienarabisch)

Diskussion zeitgenössischer arabischer Texte

Sprachkurs Libanesisch-Arabisch, Sprachkurs Ägyptisch-Arabisch

Lektüre moderner arabischer Texte

Übersetzungstechnik Deutsch-Arabisch

 

Einmalig angebotene Veranstaltungen:

Arabisches Lektüreseminar: Aḥmad Amīn (gest. 1954), Literat zwischen Tradition und Moderne (FS 12)

Arabisches Lektüreseminar: Wahnsinn in der klassischen arabischen Literatur (HS 12)

Arabisches Lektüreseminar: Naǧīb Maḥfūẓ (FS 15)

Arabisches Lektüreseminar: Zeitgenössische arabische Dichtung (FS 17)

Ausführliche Informationen zu den Lehrveranstaltungen von Dr. Natalia Bachour finden Sie im Vorlesungsverzeichnis der UZH.

Publikationen

Bücher

Oswaldus Crollius und Daniel Sennert im frühneuzeitlichen Istanbul: Studien zur Rezeption des Paracelsismus im Werk des osmanischen Arztes Ṣāliḥ b. Naṣrullāh Ibn Sallūm al-Ḥalabī. Freiburg: Centaurus-Verlag, 2012.

 

Interaktive Online-Publikationen

1. unter Mitarbeit von Fabian Frei, Henning Sievert u. a. Kalimāt: Arabisch für Islamwissenschaft und Arabistik (http://www.aoi.uzh.ch/static/kalimat/grundwortschatz/de/kalimaat.php?anz=), 2015 ff.

2. unter Mitarbeit von Fabian Frei, Henning Sievert u. a. Dandanāt: Libanesisches Vokabular (http://www.aoi.uzh.ch/static/dandanat/libanesisch/de/dandanaat.php), 2017.

 

Aufsätze

1. „Healing with mercury: the uses of mercury in Arabic medical literature.” In: Asiatische Studien 69, 4 (2015), S. 831-866.

2. „Mūmiyā als Arznei im arabischen und osmanischen Schrifttum.” In: Kurz, Susanne; Preckel, Claudia; Reichmuth, Stefan (Hgg.), Muslim Bodies: Body, Sexuality and Medicine in Muslim Societies Körper, Sexualität und Medizin in muslimischen Gesellschaften. Berlin (2016): LIT Verlag, S. 407-465.

3. mit Fabian Frei. „at-Taṣrīf wa-l-ištiqāq li-dārisī l-luġa l-ʿarabiyya n-nāṭīqīna bi-ġayrihā: barāmiǧ wa tamārīn iliktrūniyya li-taʿzīz al-kafāʾāt al-luġawiyya”. In: Fifth International Congress of Arabic Language. Beirut (2016):

4. mit Fabian Frei. „Manhaǧiyyat taʿlīm wa-taʿallum al-mufradāt li-dārisī l-luġa l-ʿarabiyya n-nāṭiqīna bi-ġayrihā: barāmiǧ wa tamārīn iliktrūniyya li-taʿzīz al-kafāʾāt al-luġawiyya”. In: Fifth International Congress of Arabic Language. Beirut (2016):

5. „Iatrochemistry and Paracelsism in the Ottoman Empire”. In: Leigh Chipman, Peter Pormann, and Miri Shefer-Mossensohn (Hgg.), Intellectual History of the Islamicate World (ersch. 2017).

6. „The New Chemical Medicine”. In: Peter Pormann (Hg.), 1001 Cures: Medicine in the pre-modern Middle East (ersch. 2017).

7. „Kitāb al-māʾ: an Arabic medical dictionary of the mid-fifth Islamic century”. In: Asiatische Studien (ersch. 2017).

 

Rezensionen

1. Leube, Georg. Die Rezepte der Freiburger alchemistischen Handschrift des ʿAbd al-Ǧabbār al-Hamaḏānī. Besprochen in: Orientalistische Literaturzeitung 111, 3 (2016): S. 262-265.

2. Braun, Christopher. Das Kitāb Sidrat al-muntahā des Pseudo-Ibn Waḥšīya. Einleitung, Edition und Übersetzung eines hermetisch-allegorischen Traktats zur Alchemie. Erscheint in Orientalistische Literaturzeitung, voraussichtlich 2017.